Vertrauen in die in die Menschen, die hier leben und arbeiten

Bausch + Ströbel, Weltmarktführer im pharmazeutischen Verpackungsbereich produziert jetzt auch im Erzgebirge Seit gut einem Jahr, seit dem 1. September 2023, wird in einer großen Werkhalle am Flughafen Jahnsdorf wieder gearbeitet. Seit gut einem Jahr steht der Name Bausch + Ströbel über dieser Werkhalle.

Bausch + Ströbel ist einer von den vielen Weltmarktführern, auf die man im „Ländle“ zurecht so stolz ist. Das 1967 in Ilshofen gegründete Unternehmen hat mit seinen Technologien und Leistungen einen entscheidenden Anteil daran, dass wichtige, teils lebensrettende Medikamente und Impfstoffe weltweit sicher, verlässlich und bezahlbar verfügbar sind. Auf den Abfüll- und Verpackungsanlagen des Spezialmaschinenherstellers werden hochwertige flüssige und pulverförmige Arzneimittel in Spritzen, Vials, Karpulen oder Ampullen abgefüllt. Das Familienunternehmen leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Krankheiten und zur Verhinderung von Epidemien. Dafür beschäftigt es an nationalen und internationalen Standorten gut 2.850 Mitarbeitende. Seit vergangenem Jahr gehört auch das erzgebirgische Jahnsdorf zu diesen Standorten. „Das Unternehmen war intensiv auf Standortsuche“, sagt René Flath, Standortleiterin Jahnsdorf. Gesucht wurde in der Lausitz, in Thüringen und Sachsen-An-halt. Für Jahnsdorf sprach die vorhandene Halle, die zur Anmietung zur Verfügung stand. „Bausch + Ströbel hat 1,5 Millionen Euro in die Grundsanierung und die Betriebsausstattung gesteckt“, weiß Flath. Die Infrastruktur passt hier einfach – die Anbindung zur A72 in Stollberg , der benachbarte Flugplatz: „Das hat den Charme, dass Kunden im Bedarfsfall auch per Chartermaschine einfliegen können“, findet der Werksleiter: „Und wir nutzen die Räumlichkeiten am Flugplatz für Meetings und die Gästebetreuung.“

Auch die Nähe zu Chemnitz war ein Argument: „In der hier agierenden Industrie gibt es viele Menschen in den Berufen, die wir benötigen: Monteure, Techniker, Mechatroniker oder Automatisierungstechniker“, sagt Flath, der selbst aus der Gegend stammt, zunächst Zeitsoldat und Student an der Universität der Bundeswehr und im Anschluss mehrfach an Errichtung und Umbau von Betriebsstätten regionaler und überregionaler Unternehmen beteiligt war. Und weil man damit rechnete, dass mit der Zeitenwende im Automobilbau vor allem bei den regional stark vertretenen Zulieferern der OEMs Arbeitskräfte frei werden könnten, entschied man sich schließlich für Jahnsdorf.

Der Plan geht auf, auch dank attraktiver Gehalts- und Arbeitszeitmodelle. Nachdem Bausch + Ströbel im September 2023 die Produktion mit acht Monteuren aufgenommen hatte, ist man inzwischen schon bei 50 Beschäftigten. Bis zu 150 sollen es im Lauf der kommenden Jahre noch werden. Die sollen jedoch nicht einfach das kopieren, was in Baden-Württemberg oder anderen Werken schon erfolgreich getan wird. „Bisher sind fast alle Anlagen von Bausch + Ströbel sehr kundenindividuelle und hoch-komplexe Einzelanfertigungen“, erläutert Flath. In Jahnsdorf hingegen wolle man eigene Montagekonzepte entwickeln. Das Ziel: die Fertigung konfigurierbarer Abfüll- und Verpackungsanlagen, die nur noch in geringem Umfang an Kundenwünsche angepasst werden müssen. Mit diesem Konzept sollen die Lieferzeiten zu den Kunden – Pharmaunternehmen in der ganzen Welt, die Exportquote des Gesamtunternehmens liegt bei 90 Prozent – deutlich verringert werden. „Insbesondere in der Corona-Pandemie waren die Lieferzeiten von Spezialmaschinen zu lang, um schnell auf aktuelle Gegebenheiten reagieren zu können. Dem wollen wir mit unserem Konzept entgegenwirken“, so Flath.

Dafür werden in Jahnsdorf künftig noch mehr eigenständige Konstrukteure, Mechaniker und Software-Entwickler eingestellt und auch in den Berufen Mechatroniker und Betriebstechniker ausgebildet. Außerdem werde schrittweise ein eigener Einkauf aufgebaut, der stark mit regionalen Lieferanten zusammenarbeiten soll: „Die gibt es im Erzgebirge in großer Zahl – auch das ist ein positiver Standortfaktor.“ Insgesamt schätzt Flath die Mentalität und das Know-how in der Region und lobt ausdrücklich das proaktive Vorgehen der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH . „Das sind ausgesprochen aufgeschlossene Leute, die sich stark für die Region engagieren“, hat er beobachtet – und ist froh, dass der Vorstand in Ilshofen sich schließlich für den Standort Jahnsdorf entschieden hat: „Das zeugt vom Vertrauen in die Menschen, die hier leben und arbeiten. Noch sind wir stark auf Unterstützung aus dem Stammhaus angewiesen – weil es zum Beispiel im Pharmabereich viele spezielle Vorschriften zu Werkstoffen, Verfahren und Dokumentationspflichten gibt. Da gibt es Coachings und Trainings für unsere Mitarbeitenden hier“, berichtet Flath. Doch inzwischen hat man die ersten zwei Anlagen bereits aus Jahnsdorf ausgeliefert – und eine Reihe weiterer sind in Arbeit.